IntegrationslotsInnen für geflüchtete Menschen

Das Projekt „Integrationslots_innen für geflüchtete Menschen“ existiert seit Juli 2015 und arbeitet eng mit den Stadtteilmüttern in Kreuzberg zusammen. Das Team besteht mittlerweile aus vier IntegrationslotsInnen mit Arabisch, Farsi/Dari und Paschtu-Sprachkenntnissen und einer Koordinatorin. Arbeitsschwerpunkte sind Unterstützung und Begleitungen von geflüchteten Menschen, sowie die Zusammenarbeit mit den Gemeinschafts- und Notunterkünften im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die LotsInnen sind Sprach- und Kulturmittelnde und auf die niedrigschwellige Integration von Flüchtlingen in die Bezirke spezialisiert.

„Heute war ein sehr guter Tag!“ ein Arbeitstag der IntegrationslotsInnen für geflüchtete Menschen
von Ṣükran Topuz (Koordinatorin), (Ersterscheinung im Berlin International 28.04.2017)

Herr Awrang Wahidi ist mit Familie A. bei einer Wohnungsbesichtigung. Das ist bereits die vierte. Eine nervenaufreibende Diskussion mit einer anderen Mitarbeiterin einer Immobiliengesellschaft hat er schon hinter sich: Die Familie spräche kein Deutsch und habe daher kaum Aussicht, eine Wohnung von ihnen zu bekommen, wird ihm mitgeteilt. Unterstützung bei der Wohnungssuche können die Integrationslots*innen nur in sehr begrenzten Maßen anbieten, weil sie sehr zeitintensiv und die Nachfrage nach Begleitungen zu Ämtern, Behörde und Institutionen sehr groß ist.

Zur gleichen Zeit ist Frau Sarab Istefo mit Familie H. beim Standesamt, um für das neugeborene Kind der Familie eine Geburtsurkunde ausstellen zu lassen. Frau Istefo ist bereits vor dem Termin bewusst, dass es nicht so einfach sein wird, da die Familie nicht im Besitz der hierfür erforderlichen Dokumente ist und sie daher nur einen Auszug aus dem Geburtenregister erhalten werden. Während des Gesprächs plant Frau Istefo im Hinterkopf schon die nächsten Schritte: Termin holen für die Vaterschaftsanerkennung und Sorgeerklärung beim Jugendamt. Eventuell einen Termin bei der Flüchtlingsberatung vereinbaren, um Sicherheit zu gewinnen, ob die Familie bedenkenlos in der Botschaft des Herkunftslandes die erforderlichen Dokumente anfordern kann. Doch zunächst wird sie der Beamtin die Namensabweichungen der Eltern auf den vorhandenen Dokumenten erklären. Sie wird erklären, dass in dem Herkunftsland der Familie viele Menschen ihre Namen geändert haben, um nicht konfessionell identifizierbar zu sein.

Derweil tritt Herr Mustafa Mohammed in der Gemeinschaftsunterkunft B. seine Sprechstunde an. Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin der Unterkunft werden sie ein Gespräch mit einem stark verunsicherten Vater führen, bei dem es um die Teilnahme der Tochter am schulischen Schwimmunterricht gehen wird. Herr Mohammed weiß, dass es, um die Ängste des Vaters zu nehmen, weiterer Gespräche bedürfen wird.

Herr Masn Manuel Jousef hat seine Büro-Sprechstunde beendet und befindet sich im Gespräch mit der Koordinatorin. Er hat einen schwierigen Fall, der ihm auch menschlich nah geht. Es wird einige Wochen dauern bis der Fall eine positive Wendung bekommt und Herr Jousef loslassen kann.

Am Nachmittag kommt Herr Wahidi zu seiner Büro-Sprechstunde. Er ist sehr glücklich. Das erste was er sagt ist: „Heute ist ein sehr guter Tag! Familie A. hat die Wohnung bekommen.“

Angebote:

  • Unterstützung geflüchteter Menschen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg durch Information und Hinweise zu den bestehenden Unterstützungsangeboten und Verweis an die Fachstellen.
  • Unterstützung der Fachkräfte in Gemeinschafts- und Notunterkünften, sozialen Einrichtungen, Ämtern, Behörden und Institutionen, bei der Information und Orientierung der geflüchteten Menschen, durch Sprach- und Kulturmittlung.
  • Begleitung der geflüchteten Menschen zu Ämtern, Behörden, Institutionen, Einrichtungen.

Offene Sprechstunde:

Montag     11 – 13 Uhr   farsi/dari, paschtu, deutsch
Dienstag   13 – 15 Uhr   arabisch, englisch, deutsch
Mittwoch  10 – 15 Uhr   arabisch, aramäisch, deutsch

Beratungssprachen: Deutsch, Arabisch, Aramäisch, Farsi / Dari, Paschtu

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